VIER VIRTUELLE TAGE VOLL SPANNENDER THEMEN, DISKUSSIONEN UND EINER ANDEREN ART DER PERSÖNLICHEN BEGEGNUNG ZUR 69. JAHRESTAGUNG DER VEREINIGUNG SÜDDEUTSCHER ORTHOPÄDEN UND UNFALLCHIRURGEN
O&U GEHT NICHT PER APP – ABER DER WISSENSAUSTAUSCH FUNKTIONIERT AUCH DIGITAL

„Natürlich geht nicht alles digital“, sagte Dr. Bodo Kretschmann, 1. Vorsitzender der VSOU, „Wir sind ein Hands-on-Fachgebiet und können unsere Medizin nicht digitalisieren. Aber wir können den Informationsaustausch auf diese Weise stattfinden lassen.“ Und das gelang sehr erfolgreich: Über 1200 Teilnehmer sahen sich die 68 Sitzungen des wissenschaftlichen Programmes mit insgesamt 274 Vorträgen zur ersten digitalen Jahrestagung der VSOU vom 28. April bis 1. Mai an. Auf völliges Neuland wagte sich die Gesellschaft mit diesem virtuellen Format. Doch lieber etwas riskieren, als noch einmal die renommierte Tagung und damit einen geschätzten Wissensaustausch in O&U ausfallen zu lassen, wie im vergangenen Jahr. So der einvernehmliche Konsens.
Die wissenschaftliche Leitung der Jahrestagung übernahmen Prof. Dr. Christian Knop, Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Klinikum Stuttgart und Prof. Dr. Thomas Wirth, Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Klinik des Olgahospital Stuttgart. Sie hatten ein exzellentes Programm für alle im Fach Orthopädie und Unfallchirurgie tätigen Kolleginnen und Kollegen in Klinik und Praxis im Angebot. Das überspannende Kongressmotto, welches sich als roter Faden durch das Programm zog, lautete „O&U für Jung und Alt“. Es sei wichtig, auch als Erwachsenenmediziner in der Behandlung von Kindern- und Jugendlichen und umgekehrt auf dem aktuellen Stand des Wissens zu sein und voneinander zu lernen. Bewährte Behandlungsansätze und Erfahrungen miteinander zu teilen – dazu diente der Programmstrang „Jung und Alt“: In diesen Sitzungen wurden an allen Tagen die Themen jeweils aus pädiatrischer wie aus nicht-pädiatrischer Sicht behandelt. Hierzu kamen als Referenten pädiatrisch und adult tätige Fachärzte gleichermaßen zu Wort und es konnte ein Bogen von der Kinder- und Jugendorthopädie zu den Erwachsenen gespannt werden. Zusätzlich wurden in Parallelsitzungen Schwerpunkte aus den Gebieten der Wirbelsäule, der Endoprothetik, der Traumatologie und der Behandlung von Tumoren und Metastasen erörtert sowie aktuelle Themen, wie beispielsweise die Digitalisierung, die im Zuge des Krankenhaus-Zukunftsgesetzes und der Pandemiebewältigung gerade eine besondere Bedeutung erfährt, aufgegriffen.

Dialog der Generationen über Digitalisierung, Aus- und Weiterbildung
Ein weiterer Aspekt des Kongressmottos war der Dialog von jungen und erfahrenen Ärzten. Mit dem Ziel, zu hören, was die neue Medizinergeneration zu sagen hat, und sich austauschen, was man voneinander erwartet, gab es im Programm unter anderem zwei spannende Diskussionsrunden. Die Podiumsdiskussion „Welche Innovationen bringen uns die neuen Medien in der Medizin?
Mit welchem Risiko? Dr. Google vs. Hippokrates“ beschäftigte sich mit Digitalisierung und den damit zusammenhängenden Risiken. Dieses Thema spielte auch in einigen Sitzungen eine Rolle. Es wurden Möglichkeiten zur Nutzung von digitalen Anwendungen im Klinikalltag diskutiert. Wichtigster Aspekt dabei ist der vernünftige Einsatz dieser Möglichkeiten zur tatsächlichen Arbeitserleichterung, zum Beispiel indem administrativer Aufwand und Dokumentation mehr automatisiert werden, so dass der Arzt sich auf das Wesentliche, nämlich die Arbeit am Patienten, kümmern kann. Ein weiterer hilfreicher Punkt wäre die sinnvolle Auswertung der Vielzahl an Bildgebung durch künstliche Intelligenz, so dass für die Behandlung bereits ein Pre-Check getroffen wird.

Was nicht nur die junge Generation von den „alten Hasen“ lernen kann, sondern auch umgekehrt, das war ein Punkt der Podiumsdiskussion „O&U für Jung und Alt“. Unter dem Wortlaut des Kongressmottos diskutierten hier die Generationen über zeitgemäße Hierarchien, die Chancen eines Generationswechsels oder auch die neue Geschlechterverteilung mit mehr Frauen in O&U als jemals zuvor. Der prozentuale Anteil an Assistenzärztinnen liegt mittlerweile bei ca. 25% – was auf den ersten Blick noch nach wenig klingen mag, aber eine deutlich ansteigende Tendenz zu den Zahlen der letzten Jahre darstellt. Vor allem im internationalen Vergleich liegt der Prozentsatz an Frauen in O&U dort oft nur im einstelligen Bereich. Deutschland geht also mit einem guten Beispiel voran. Punkte wie familienfreundliches Krankenhaus und flexiblere Arbeitszeiten wurden auch diskutiert. Work-Life-Balance und Familienfreundlichkeit sind entscheidende Eckpfeiler in der beruflichen Erfüllung heute. Das schlägt sich auch bereits in den Arbeitszeiten während der Ausbildung nieder, was automatisch zu weniger Erfahrung im Operieren führt, als diese die Chefärzte von heute in ihrer Ausbildung erlangen konnten. Um aber weiterhin einerseits guten und motivierten Nachwuchs im Fachgebiet zu bekommen, der andererseits handwerklich gut ausgebildet ist, müsse man sich auf neue Gegebenheiten, etwa durch Verwendung von Simulatoren oder zusätzlichen digitalen Kurssystemen an Präparaten u.ä., die Facharztwissen vermitteln, einlassen. Das diese Methoden der Weiterbildung auch von den Ärztekammern angerechnet werden, dafür setzt sich z.B. das Junge Forum O&U ein.
Der Facharzt für O&U kann direkt nach der Ausbildung noch nicht uneingeschränkt operativ tätig werden. Auch die Diversifizierung des Faches gelingt es zu wenig in der Weiterbildung zu vermitteln.
Die langjährigen Ärzte betonten, trotz der Tatsache, dass sich das Fach immer weiter spezialisiert und dies auch vernünftig ist im Hinblick auf die Qualität der Behandlung, es dennoch ratsam sei eine Grunderfahrung zu haben in allen Teilbereichen von O&U. Man muss den Spagat hinbekommen zwischen Generalist und Subspezialisierung, damit der Überblick über die Bandbreite des Faches nicht verloren geht. Um auf Spitzenniveau operieren zu können, ist eine Spezialisierung vonnöten. Aber diese sollte von einer grundlegend soliden Ausbildung in allen Teilbereichen des Faches ausgehen. Gerade in den großen Kliniken müssen die Ärzte vielfältige Verletzungs- und Erkrankungsmuster behandeln und dazu eben auch in der Lage sein.

Preise, Kurse, Yoga, Fazits – 2021 war alles digital!
Berufspolitische und gesundheitsökonomische Themen, unterstützt von anderen Fachgesellschaften und den Berufsverbänden, interaktive Gesprächsformate, Kurse und Fortbildungsveranstaltungen sowie ein Gesellschaftsabend in der virtuellen Welt rundeten neben den wissenschaftlichen Sitzungen das Programmangebot der Jahrestagung ab. Als Ausgleich für die Stunden am Rechner wurde an zwei Abenden direkt im Anschluss an die Sitzungen noch eine professionell geführte Yoga-Stunde angeboten.
Den OUP-Bestpreis für das Jahr 2020 erhielt PD Dr. Michael Ruf für seine Arbeit „Skoliose im Kindesalter“, erschienen in der Ausgabe 4. Der Preis wurde übergeben vom Hauptschriftleiter Prof. Dr. Jörg Jerosch. Für die besten Kurzvorträge wurden Annet Wijnen (Titel: „Effektivität der medizinischen Rehabilitation nach Primärimplantation einer Totalen Hüftendoprothese bei Patienten im erwerbsfähigen Alter: Ein Vergleich der gängigen Versorgung in den Niederlanden versus in Deutschland“) und Dr. Tomas da Silva (Titel: „Vergleich von Outcome und Komplikationen gebogener vs. gerader langer PHILOS-Platten nach Versorgung proximaler Humerusschaftfrakturen“) prämiert. Die Auszeichnung „Bestes ePoster“ ging an Prof. Dr. Wolfgang Bauermeister für seine Einreichung zum Thema „Ultraschall-Elastografie basierte Behandlung des Chronic Widespread Pain – Fibromyalgie mit Repetitiver Peripherer Magnetstimulation“.
„Wir haben nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern reagiert und mit der digitalen Umsetzung der VSOU-Jahrestagung einen vollwertigen Kongress geschafft, der als Fortbildungsveranstaltung über mehrere Tage angenommen wurde und den wir in diesem Frühjahr sehr gebraucht haben“, lautete das Fazit von Prof. Thomas Wirth. Er hat wahrscheinlich gemeinsam mit Prof. Christian Knop die meiste Zeit vorm PC verbracht anlässlich der Jahrestagung. „Es ist Fluch wie Segen und wir tun, was wir tun können. Wir sehen an dem Zuspruch, dass das Kongressprogramm ankam und ein großes Interesse an Austausch besteht. Ich habe mir das selbst nicht so gut in der Umsetzung vorstellen können und bin begeistert. Also alles richtiggemacht“, resümierte Knop. Die beiden Kongresspräsidenten waren sich einig, dass auch in der Zukunft die digitalen Formate genutzt werden sollten. Die Informationen lassen sich dadurch breiter streuen, als bei reinen Präsenzveranstaltungen und mehr Kolleg*Innen haben die Möglichkeit, auch nur zu ganz bestimmten Themen, online zu sein. „Ich würde mich freuen, wenn wir junge Kolleg*Innen motivieren könnten, sich aktiv an der Entwicklung neuer Kongressformen zu beteiligen und ihre Bedürfnisse und Interessen einzubringen. Die VSOU würde sehr gerne junge Themen stärker in den Focus nehmen, um auch eine Mitgliedschaft in unserer Vereinigung attraktiv zu machen. Jeder Verein lebt von Mitgliedern, die auch bereit sind, aktiv mitzumachen“, betont VSOU-Vorsitzender Kretschmann.

Jahrestagung 2022 – 70-jähriges Jubiläum wieder in Baden-Baden?!
„Wir hoffen alle, dass wir im Jahre 2022 wieder persönlich in Baden-Baden zusammenkommen können.“ Diesen Satz hörte man oft an den vier Kongresstagen. Das Flair der Frühjahrstagung in Baden-Baden kann eine rein digitale Veranstaltung nicht ersetzen. Und die vielen persönlichen Begegnungen ebenso wenig. Im Jahr 2022 feiert die Jahrestagung der VSOU ihren 70. Geburtstag. Dazu laden als Kongresspräsidenten Dr. med. Johannes Flechtenmacher und VSOU-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Mario Perl vom 28.-30. April in die Kur- und Bäderstadt. Hoffen wir alle, dass wir uns zu diesem Anlass wieder persönlich begegnen können.

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